(Prof. Dr.
Helmut Eirund, MedienInformatik, Hochschule Bremen)
... oder: "was erwartet Sie bei mir als Ihr erster
Diplomarbeits-Betreuer".
ist ein
kurzes Dokument, das die Geschäftsgrundlage zwischen
Ihnen
und mir festlegt. Hier wird das von Ihnen zu bearbeitende
Problemgebiet
kurz beschrieben, die konkreten Aufgaben der
Arbeit
festgelegt und, soweit möglich, einige Rahmenbedingungen
fixiert
(Arbeitsmittel, Literatur, vorläufige Gliederung, Zeitplan,
Adressen
etc.). Für dieses Dokument gibt es eine Vorlage.
Ohne
"Vertrag"
betreue ich keine Diplomarbeit. Der Grund: Ein Vertrag
nützt
Ihnen und mir gleichermaßen.
Nutzen:
Da
der Vorvertrag (in Abstimmung mit mir) von Ihnen
selbst
erstellt wird, ist sichergestellt, dass wir beide das
gleiche
Verständnis von der Diplomarbeit haben.
Die
Begutachtung fällt leichter und objektiver aus. Wir
wissen
beide, welche Ergebnisse Grundlage der
Begutachtung
sind (nämlich genau die, die Sie im Vorvertrag
festgelegt
haben).
Der
Rahmen ist klar abgesteckt, die Studierenden werden
vor
willkürlichen "Nachforderungen" ("ach, machen Sie
doch
auch noch mal eben das ...") geschützt. Das soll aber
nicht
ausschließen, dass sich bei gravierenden neuen
Erkenntnissen
die Aufgaben auch mal etwas verschieben
können
(z.B. Sie stoßen auf weitere interessante
Problemstellungen,
die Sie gerne bearbeiten wollen).
Erste
Problem-Analyse bzw. "Pflichtenheft" (Vorvertrag) und "Abnahmetest"
sind typische
Meilensteine
in dem Projekt "Diplomarbeit".
Alle
Angaben des Vertrags müssen ohnehin erarbeitet
werden,
d.h. es wird keine unnötige Arbeit verursacht. Wir einigen wir uns jedoch
vorher über wichtige Fakten.
Die Diplomarbeit
zeigt ihre Fähigkeit, eine Aufgabe mit
wissenschaftlichen
Mitteln zu lösen. Ein wissenschaftliches
Vorgehen
sieht immer einen "Analyseteil" ("was gibt es für
Möglichkeiten")
und einen "Syntheseteil" ("was habe ich weshalb
wie gemacht")
vor. So auch hier. Im folgenden ein
Gliederungs-Rahmen
als Beispiel:
Einleitung:
hier
taucht eine kurze Beschreibung des
Problemfeldes
und der konkreten Aufgabe(n) auf
("Ziel
der Arbeit ist ..."). Danach sollte noch ein
Abschnitt
folgen, der kurz in Prosa die weitere
Struktur
der Arbeit und die wesentlichen Inhalte der
Kapitel
darstellt. Danksagungen (und
Verwünschungen)
gehören ins Vorwort.
Analyseteil:
der
"Fleißteil" mit viel Literaturrecherche, ggf. in
mehrere
Kapitel unterteilt, z.B. Welche Methode(n)
sind
für diese Arbeit relevant, Welche (Software-)
Werkzeuge
können benutzt werden, Was gibt es
schon
in diesem Problemfeld an Lösungen oder
Ansätzen.
und
Bewertung: warum passt das hier gut oder
warum
muss es hier anders gemacht werden.
natürlich
nicht das Studium referieren, sondern nur
die
für die Lösung der Diplomarbeit relevanten
Dinge
erörtern. Bitte auch keine Allgemeinaussagen
("Ein
Computer dient ...", "WWW ist ...").
Syntheseteil:
Ab
jetzt nur noch das eigene Werk: Konzept und
Realisierung,
gerne in zwei Kapiteln (in dieser
Reihenfolge!)
Konzept:
Welche Methoden wurden (wie)
verwendet,
welche (abstrakten) Strukturen und
Modelle
hat meine Lösung (z.B. Interaktionsstruktur,
Software-Architektur,
Datenbankschema).
Realisierung:
(natürlich nur, wenn was realisiert
wurde)
ausgewählte und interessante Aspekte der
Realisierung
(z.B. Einsatz eines Werkzeugs,
Optimierungen,
spezielle Problemlösungen), nicht
"jedes
Bit aufführen" (dafür gibt es als Anlage eine
CD-ROM
oder eine URL oder eine Mappe).
Zusammenfassung und Ausblick:
das
Schlusskapitel führt die wichtigsten Ergebnisse
(!)
der Arbeit (max. 1 Seite) auf und zeigt, wo es
weitergehen
kann oder was noch verbessert werden
müsste.
(eilige)
Leser von (ausschließlich) Einleitung und
Z&A
müssen danach wissen, was die Arbeit sollte
und
gebracht hat.
1.Der
Schreibstil soll wissenschaftliche Distanz verraten
(bitte
kein "ich", kein Erlebnisaufsatz "danach machte ich
das").
2.Viele
(>100) Seiten zu schreiben, ist kein Problem, aber
auch
nicht notwendig und fast immer schädlich. Gewürdigt
wird
es, das Wesentliche kompakt darzustellen und auf
den Punkt zu bringen (z.B. Darstellung von Zusammenhängen durch selbst
gemachte Grafiken, Übersichts-Tabellen und
Spiegelstriche
statt Prosa).
3.Die
Struktur der Arbeit muss konsequent sein! (z.B. nicht
in
Kapitel 2 Beispiellösungen beschreiben und in der
Realisierung
in Kapitel 6 noch ein paar nachschieben).
4.Sehr
spezifische Fachbegriffe sollten in einem Glossar in
1-2
Sätzen erklärt werden. Hilft auch dem Schreiber.
5.Wenn
sinnvoll, autarke und leseflusshemmemde Teile in
einen
Anhang auslagern (z.B. "Benutzungshandbuch",
Berechnungen,
Installationshinweise, technische Details).
6.Benutzen
sie Beispielszenarien, so möglichst nur eines
(!),
an dem sie ihre Lösung dann auch vorführen können.
7.Literaturzitate
im Text: einheitlich, z.B. [die ersten 4
Buchstaben
des Autors mit Jahreszahl ]. Wenn sie
WWW-Quellen
verwenden, dann natürlich in der
Literaturliste
URL mit angeben.
8.Wenn
außerhalb der gebundenen Arbeit noch Ergebnisse
(z.B.
in elektronischer Form) existieren, dann muss ich
da
auch drankommen (also z.B. CD-ROM, URL
angeben).
Unbedingt Installationshinweise angeben!
9.Lesen
Sie im Zweifelsfall in der einschlägigen Literatur
("Wissenschaftliches
Arbeiten") nach.
Gemeinsames
Erarbeiten und Abstimmen des Vorvertrages.
Beratung
während der Arbeit.
Durchsicht
der Gliederung, einzelner Kapitel und
Teillösungen
mit Feedback vor der offiziellen Abgabe.
Gutachten
zur Zensurenfindung. Um zu einem möglichst
objektiven
und nachvollziehbaren Urteil zu kommen,
bewerte
ich (mit verschiedenen Gewichtungen) nach
folgenden
Kriterien:
Aufgabenstellung
und Schwierigkeitsgrad: Wo, in
welchem
Projekt, neue Lösung oder
Standardaufgabe,
konzeptionell und / oder technisch,
vorhandenes
Wissen verfügbar (Literatur, Systeme,
Ansprechpartner),
Entwicklung der
Aufgabenstellung,
Eigeninitiative.
Wissenschaftlicher
Arbeitsstil: Kapitel-Durchlauf:
Inhalt,
Gliederung, Vollständigkeit oder
Überfrachtung
mit Überflüssigem, schlüssige
Darstellung,
Verdichtung von Informationen,
Beispiele,
Verwendung der Literatur,
State-of-the-art,
Trennung Konzept / Realisierung,
Anhang.
ggf.
Realisierungstechnische Leistung:
Softwaretechnische
Gestaltung, Funktionalität,
saubere
Struktur, Dokumentation.
Stil
und Form: Lesbarkeit, Grafiken und Tabellen,
Glossar,
Index, Schriftbild, Ausdrucksweise, wiss.
Distanz,
Sauberkeit.